Zen Praxis

Was ist Zen?

„Das Wort ‚Zen‘ wird heutzutage so leichtfertig verwendet, etwa in der Werbung, der Popkultur oder der Designwelt, dass es für jemanden, der neu zu einer authentischen spirituellen Tradition kommt, zu vage ist, um wirklich viel Bedeutung zu haben. Wahres Zen ist die Praxis, zum tatsächlichen Genau-in-diesem-Moment-Selbst zurückzukommen, zurückzukommen zu der Natürlichkeit, der Intimität und Einfachheit unserer wahren Natur. Zen-Praxis heißt nicht, uns von unserem Leben, wie es ist, abzuwenden; es heißt, tiefer in unser Leben, wie es ist, einzutreten – mit all seiner Lebendigkeit, Schönheit, Schwierigkeit, Freude und Kummer. Zen ist ein Weg des Aufwachens: aufzuwachen zu dem, was wir wirklich sind, und aufzuwachen zu dem Bestreben, anderen zu dienen und Verantwortung für alles Leben zu übernehmen.“

Roshi Enkyo O’Hara, Zen-Lehrerin am Village Zendo, New York City

Die Praxis des Zen

Zen ist die Praxis, Einssein zu verwirklichen. Eins sein mit unserem Leben und mit dem Leben an sich. Wir sehen, dass wir im Grunde nie von unserer eigenen Weisheit und unserem Mitgefühl getrennt sind und dass es kein Problem gibt. Wir lernen, uns selbst wirklich zu kennen, und wir sehen klar und sind in der Lage zu akzeptieren, dass es manche Dinge gibt, die immer ein Mysterium sein werden.

Zen bedeutet, unser Leben in voller Verkörperung zu leben, so gut wir es vermögen, und in einer Weise zu leben, die unsere Menschlichkeit und natürliche Freude feiert. Ein Sinn für Humor ist grundlegend für Zen und auch eine Bereitschaft, sich nicht abzuwenden. Wir fahren mit unserer Aufgabe fort, unser Leben zu leben, so gut wir können, und zu erlauben, dass das Leben uns lehrt.

Zen kann von uns fordern, alles infrage zu stellen, von dem wir dachten, wir wüssten oder glauben es. Das fordert es von uns, um zu ermöglichen, dass wir ein wahres Wissen entdecken, das nicht in Konzepten oder Ideen gründet, sondern in der Bereitschaft, mit dem Augenblick, wie er ist, in Kontakt zu sein. So wird unser Leben lebendiges Zen, das Weisheit und Mitgefühl offenbart – nicht weil wir glauben, wir sollten, sondern weil es natürlicherweise aus dem fließt, wer wir sind.

Daher besteht unsere Praxis zuallererst darin zu bemerken, wann wir uns vom Leben trennen oder abschneiden: zu bemerken, wie wir Getrenntheit herstellen, und geduldig und geschickt immer weiter zu beobachten und einen klaren Blick zu kultivieren.

Wir entwickeln die Bereitschaft, Fragen zu stellen, die für ein Zen-Leben/achtsames Leben zentral sind:

  • Wie kann ich ein erwachtes Leben führen?
  • Was bedeutet „erwacht“ genau?
  • Wie drückt sich das in meinem Leben aus?
  • Wie kann ich diesen Prozess mit Haltungen und Praktiken unterstützen, die ihm Nahrung geben?
  • Weiß ich, was auf diese Weise zu leben für mein Leben bedeutet?
  • Kann ich mich ganz auf diesen Prozess einlassen?

Linda Myoki Lehrhaupt Sensei